Soll ich heute noch Kommunikationsdesign studieren?
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Soll ich heute noch Kommunikationsdesign studieren?

Illustration zu Kommunikationsdesign, Grafikdesign und künstlicher Intelligenz im Wandel kreativer Berufe

Oder anders gefragt:

Würde ich meinen eigenen Kindern heute noch empfehlen, Kommunikationsdesign, Grafikdesign oder einen ähnlichen Design-Studiengang zu wählen?

Vor 25 Jahren wäre mir die Antwort leicht gefallen.
Wer gestalterisch begabt war, Freude am Zeichnen, Entwerfen und Visualisieren hatte, konnte mit gutem Gewissen Grafikdesigner werden. Es gab Agenturen, Verlage, Druckereien und Unternehmen, die solche Fähigkeiten benötigten. Man durfte erwarten, später einen Arbeitsplatz zu finden, an dem man seiner gestalterischen Neigung nachgehen konnte.
Heute bin ich mir nicht mehr so sicher.

Der klassische Grafikdesigner verschwindet

Die Nachfrage nach Design-Ausbildungen hat spürbar nachgelassen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie viele Unternehmen überhaupt noch einen klassischen Grafiker beschäftigen. Viele Aufgaben, für die früher Spezialisten benötigt wurden, werden heute von Mitarbeitern anderer Fachrichtungen übernommen – unterstützt durch leistungsfähige Software und zunehmend auch durch künstliche Intelligenz.
Ist der Beruf des Grafikdesigners damit tot?
Wahrscheinlich nicht.
Aber möglicherweise ist er als eigenständiger, klar umrissener Beruf dabei zu verschwinden.

Das Berufsbild hat sich schon mehrfach verändert

Dabei wäre dies nicht das erste Mal, dass sich das Berufsbild grundlegend verändert. Die Digitalisierung hat die Arbeit des Designers bereits einmal auf den Kopf gestellt. Gestaltung verlagerte sich vom Zeichenbrett auf den Computer. Gleichzeitig wurde deutlich, dass gutes Design mehr ist als das Erstellen schöner Bilder.

Designer mussten zunehmend verstehen, wie Menschen Informationen wahrnehmen, wie Marken funktionieren und welche Rolle Marketing und Kommunikation spielen. Neue Fachgebiete entstanden: Webdesign, UX-Design, Motion Design und viele weitere Spezialisierungen.



KI verändert diesmal nicht nur die Werkzeuge


Nun erleben wir mit der künstlichen Intelligenz erneut einen tiefgreifenden Wandel.
Der Unterschied zu früheren Entwicklungen besteht darin, dass diesmal nicht nur die Werkzeuge besser werden. KI übernimmt Fähigkeiten, für deren Erwerb Designer bisher Jahre investieren mussten:
Bilder können auf Knopfdruck erzeugt werden. 
Layouts entstehen in Sekunden. 
Ideen werden vorgeschlagen. 
Texte geschrieben. 
Varianten generiert.
Und all dies auf der Grundlage eines gewaltigen Wissens über Gestaltung, Marketing und Kommunikation.

Was bleibt, wenn die KI gestaltet?

Wenn das so ist – sollten junge Menschen dann überhaupt noch Design studieren?
Vielleicht lautet die entscheidende Frage aber anders.

Und zwar: Welche Art von Designern brauchen wir künftig?

Vielleicht wird die Wirtschaft weniger Menschen benötigen, die gestalten.
Aber weiterhin Menschen, die Qualität in der Gestaltung beurteilen können.
Menschen, die erkennen, warum eine Lösung funktioniert und eine andere nicht.
Menschen, die gestalterische Prozesse steuern, kontrollieren und verbessern können.
Nicht aus nostalgischen Gründen, sondern weil Prozesse oft besser werden, wenn diejenigen, die sie aufsetzen und verantworten, über gestalterische Grundlagen verfügen.

Die Renaissance der praxisnahen Designausbildung

Und genau hier könnte eine interessante Entwicklung beginnen.

Der Beruf des Designers war ursprünglich kein akademischer Beruf. Er war vor allem ein Leistungsberuf. Entscheidend war weniger der Abschluss als die Fähigkeit, gute Arbeit abzuliefern.

Lange Zeit war es deshalb eine handwerkliche praxisnahe Berufsausbildung, die ihren Absolventen einen direkten Einstieg in die Berufswelt ermöglichte.
Auch wenn heute die meisten Studierenden dieser Disziplin auf „Hochschulen“ zu finden sind.
Mit dem Einzug der künstlichen Intelligenz könnte diese Form der Ausbildung wieder an Bedeutung gewinnen.
Vielleicht benötigen wir künftig nicht mehr zwangsläufig drei oder vier Jahre Ausbildung / Studium.
Vielleicht benötigen wir Menschen, die in vergleichsweise kurzer Zeit ein solides gestalterisches Fundament erwerben, Design verstehen lernen und gleichzeitig moderne Werkzeuge sicher beherrschen.


Denn wenn jeder die gleiche KI nutzen kann, entscheidet nicht mehr das Werkzeug über die Qualität des Ergebnisses. Entscheidend bleibt die Fähigkeit zu erkennen, warum eine Gestaltung funktioniert - oder eben nicht. Gestaltung zu lernen - Formen, Farben, Typographie und Komposition, Wirkung – verliert möglicherweise nicht an Bedeutung.

Gestaltung verstehen – die Zukunft des Kommunikationsdesigners

Die Antwort auf meine Frage vom Anfang könnte also lauten:

Nicht die Bedeutung von Gestaltung verringert sich.
Sondern die Art und Weise, wie wir Gestaltung lernen und anwenden.

Wir brauchen weiterhin Menschen mit einem Gespür für Qualität.
Menschen, die kreative Prozesse begleiten und steuern können.
Menschen, die wissen, was gutes Design ausmacht – auch dann, wenn die eigentliche Umsetzung zunehmend von Maschinen übernommen wird.
Und Menschen, für die Gestaltungskompetenz ein Teil ihrer Qualifikation darstellt.
Ob sich diese Einschätzung bewahrheitet, wird die Zukunft zeigen.
Sicher scheint mir nur eines:
Wer heute eine Ausbildung oder ein Studium im Design beginnt, sollte sich nicht mehr allein darauf vorbereiten, selbst zu gestalten.
Er sollte lernen, Gestaltung zu verstehen als eine von mehreren Fähigkeiten, die künftig gefragt sein werden.